ich kam doch tatsächlich mal auf die Idee meine Erlebnisse in Sachen Fussball und Groundhopping auf einer Seite niederzuschreiben, den best möglichen Spaß also!!
12.07.2013 1.FC Schweinfurt 05 - FC Würzburger Kickers 3:1, Regionalliga Bayern
Willy-Sachs-Stadion, 6207 Zuschauer (um die 300 Gäste)
Eigentlich sollte dieses Wochenende ausschließlich für die Familie da sein. Eigentlich spielte den Tag darauf auch der eigene Club in Aue, was ja nun auch nicht unbedingt unaktraktiv sein dürfte....da ein Wochenende ohne Fußball aber einem Mann ohne Schwanz gleicht, entschied ich für mich und dem Frauchen, dass der Samstag und der Sonntag nun ausschließlich der Familie gilt und ich den Freitag das Derby in Unterfranken zwischen dem Aufsteiger aus Schweinfurt und dem neureichen Club der Würzburger Kickers schauen werde. Lange überlegen musste man ohnehin nicht, trafen diese beiden Mannschaften doch vor vier Jahren das letzte Mal aufeinander und dementsprechend groß dürfte die Brisanz sein. Der Hass zwischen beiden Fanlagern dürfte auch noch nicht verflogen sein und zudem konnte man gespannt sein, was der Aufsteiger und einstige Zweitligist aus Schweinfurt so zu bieten hat. Immerhin trat man nach der Insolvenz den bitteren Gang in die Niederungen an und konnte quasi wie ein Phönix aus der Asche wieder auferstehen. Auf dem Weg begleitet haben diesen Club immerhin die Trainerlegende Werner Lorandt und einige weitere Größen des fränkischen Lederkicks. Ganz anders dürfte es bei dem Gegenüber aussehen. Sponsoren kauften sich ein, Spielergrößen wie Mensah oder Pascal Bieler traten dem Verein bei und man dürfte sich ganz groß auf die Fahne geschrieben haben diese Regionalliga als Tabellenführer zu beenden und in den Profifußball zu kommen. Nun ja, die Reise sollte also am Nachmittag um 15Uhr von Teutschenthal aus starten und nach dem man den krassen Kontrast zwischen dem Bahnschrankenführer, der die Schranke per Hand bedient und einer schwarzhaarigen Plastikpuppe im Mercedes Caprio in die Schublade schob, ging es also zu dritt mit Kollege Martin und Felix gen Unterfranken. Ungewöhnlich voll zu dieser Zeit waren die Straßen, was aber sicher an der Ferienzeit lag, die knappen 280km konnten wir aber problemlos hinter uns bringen und erreichten Schweinfurt weit vor dem Anpfiff. Zwischendurch hielt der Tross noch in
Suhl um das Stadion zu begutachten und um eine gute Thüringer einzuwerfen, die diesen Namen allerdings nicht verdient hatte. So viel am Rand....In Schweinfurt führte uns der Weg noch auf den Markt und ins Zentrum um sowas wie Kultur einzuatmen. Viel zu bieten hat die Industriestadt am Main aber nicht. Erwähnenswert dürfte hierbei höchsten das Atomkraftwerk am Rande und die vielen überflüssigen Kasernen der US Streitmächte sein. Fotos waren gemacht und auch das Bier im Konsum fand den Weg in die Rücksäcke und dann sollte es also endlich zum Ground der Begierde gehen. Das Auto war direkt vor den Toren geparkt und nun könnte man ja vielleicht noch erwähnen, dass Willy Sachs, der Namensgeber des Stadions, ein ehmaliger Faschist war, welcher polnische Zwangsarbeiter beschäftigt hat. Über dieses Thema streiten sich aber die Geister und es braucht mir sowieso niemand mit Politik kommen, mit roter schon gar nicht! Ginge es nach den Labertaschen, dann müssten alle Denkmäler entfernt werden, meiner Meinung nach dann aber auch das vom Kindervergewaltiger Kurt Wabbel oder von mir aus auch Karl Liebknecht! Aber egal jetzt, meine Religion und Politik ist eben Fußball und nach dem man das erste Bierchen am heutigen Tage in der Kralle hatte
standen urplötzlich vier Ultras der Schweinfurter vor uns und wollten wissen wer wir sind. Man glaubte uns offenbar nicht die Geschichte, dass wir Hallenser seien und forderte den Ausweis. Ziemlich brenslig würde ich behaupten und ich hatte meine Nase schon verbeult gesehen. Die Kehrtwende der Geschichte war dann, dass man uns plötzlich nett entgegen kam und selbst der Capo und seine Freunde wollten dem großen Ostpöbel die Hand reichen. Unglaublich! Würde sicherlich bei uns so nicht ablaufen und diese Art Geschichte sollte auch nicht das letzte Kapitel geschrieben haben am heutigen Tag. Dazu aber später mehr. Die Zeit war nun da und es ging ins Innere. Dieses Stadion ist schon fein anzuschauen. Für 10Euro(inkl. 1Euro Topzuschlag) erblickten wir eine schicke alte Tribüne, die 1936 erbaut wurde und im weiten Rund hat man noch ein paar Stufen, die die Kapazität auf um die 10.000 hochschrauben lassen. Abrunden tun die Schüssel noch vier schicke Masten die hinter den Bäumen hervborschauen. Insgesamt ein schickes Stadion an dem mich eigentlich nur die Laufbahn stört. So viel dazu...komme ich an dieser Stelle doch einfach mal zum Sportlichen. Alle haben im Vorfeld gesagt, dass die Würzburger das Spiel sicherlich hoch gewinnen werden, ist Schweinfurt doch Aufsteiger und versucht mit geringen Mitteln in dieser Regionalliga zu bestehen, welche immerhin mit den Zweitvertretungen großer Erstligaclubs besetzt ist. Da stehen eben der FC Bayern oder auch der 1.FC Nürnberg ganz oben auf der Liste! Doch was ein Derby an Charakter hat zeigt eben genau dieses Spiel. Die Überheblichkeit der Gäste konnte Schweinfurt gut ummüntzen und ging recht schnell in Führung. Zwar konnte sich Würzburg befreien und sorgte in der 30.min für den Ausgleich, doch irgendwie wollte Schweinfurt mehr. In der Halbzeit schien der Trainer seine Mannen bei der Ehre
gepackt zu haben und genau so kam man aus der Kabine. Nach dem 2:1 Führungstreffer schien dem Gast nicht mehr viel eingefallen zu sein und nach dem ein Konter nur per Notbremse gestoppt werden konnte, schwächte man sich in Form einer roten Karte noch selbst. Dass der anschließende Freistoß direkt im Netz landete und den Endstand herstellte schien die These des Derbycharakters zu unterstützen. Am Ende siegt der, der mehr Willen zeigt. Nebenher kann ich dann nur noch sagen, dass der Grillmeister die Rindswurst ruhig auf beiden Seiten grillen kann und auch die Organisatoren hatten am Ende wohl zu wenig Bier kommen lassen. Egal, am Ende fuhr ein weiterer LKW mit gutem Gebräu vor und so schlecht hat die gute Wurst auch nicht geschmeckt. Insgesamt also alles recht schick und zum Schluss komme ich zur Stimmung. Die Staatsmacht schien im Vorfeld richtig gewütet zu haben. Jedenfalls konnte ich in Erfahrung bringen, dass die Ultras der Schweinfurter keinen eigenen Stand aufbauen durften und den Gästen zudem alles verboten wurde. Keine Stilelemente wie Schwenker oder Zaunfahnen. Am Ende hing dann aber doch eine große Würzburger Kickers Fahne und auf dem Zaun turnte ein Megaphoneträger umher. Die Trommel war auch da und man konnte mit recht gutem Support überzeugen. Leider gefiel mir die Mitmachquote nicht so ganz und auch die Gästeanzahl an sich dürfte bei 30km Entfernung und der Tatsache, dass Derby war, recht mikrig ausgefallen sein. Die Akkustik im weiten Rund ist nahezu nicht vorhanden und von daher kann man den Gästen insgesamt einen recht ordentlichen aber nicht herausragenden Auftritt bescheinigen. Ändern konnten das dann auch nicht die befreundeten Augsburger, welche zahlreich anwesend waren. Ich erinnere an dieser Stelle nochmals an die Aktion vor dem Spiel, die Schweinfurter Ultras überwachten ihr Stadionareal mit Luxaugen, scheinen dann aber doch recht nett zu "Fremden" zu sein. Was man mir versprach, war zudem eine große Choreo. Ob damit die Schwenkfahnen gemeint waren, welche es am Eingang gab oder ob man
tatsächlich etwas auf die Beine stellen wollte? Ich ließ mich überraschen und am Ende hatte man tatsächlich ein großes Transpi ausgerollt worauf auf die Feierlichkeiten zum 35. Jahrestag der Schweinfurter Fanszene aufmerksam gemacht wurde. Abgerundet wurde dies mit Schwenkelementen und dürfte als gelungen bezeichnet werden. Ob dies aber Derbywürdig oder groß ist? Jeder sollte das für sich selbst definieren und ich kann insgesamt nur sagen, dass leider nur der mittlere Teil auf der Gegengeraden am singen war. Dafür, dass die Hütte voll war und man recht viel Potenzial besitzt war das ein bissl wenig. Die Lautstärke überzeugte aber zumindest anfangs und auch an der Kreativität konnte ich nix aussetzen. Zwar kannte man diverse Melodien schon aus ungeliebten Kurven von Zwickau, Jena oder Babelsberg, doch wer aber hat immer nu neues Liedgut zu bieten? Insgesamt kann man auch hier einen Schein für einen guten aber nicht herausragenden Auftritt ausfüllen und auch hier waren befreundete Jungs am Start, in diesem Fall ein Haufen Würzburger vom Stadtrivalen Würzburger FV was auch die Schweinfurt und der WFV Gesang erklärte. insgesamt war hier sicherlich
mehr los als in der ganzen kommenden Saison und ich denke ich habe mir schon das richtige Spiel ausgesucht um den Ground abzuhaken! Ach ja, da war ja noch die eine Geschichte, dass man nun noch eine zweite derartige Geschichte wie am Anfang erlebte. Auf der Suche nach einem gemütlichen Grillplatz wurde man angehalten. Eine etwas angesoffene Gestalt erkannte Kollege Martin sofort und behauptete eisenhart, dass er ihm schon ein gutes Pils auf der Auswärtsreise nach Darmstadt angeboten hat. Tatsächlich trug der Typ einen HFC Pin an der Mütze und konnte es gar nicht glauben, dass hier Hallenser aufgeschlagen sind! Spätestens aber als er anfing unsere Kurvenlieder zu brüllen und die breitschuldrigen Schweinfurter Kollegen bereits aufmerksam wurden suchten wir dann doch das Weite und verabschiedeten uns zumindest höflich ;) Als man dann aber dachte es sei nun bereits vorbei lief uns zudem noch Kollege und Ground und Boden Schreiber Janeck über den Weg. Ich konnte es nicht glauben, aber beim Hoppen scheint sich wirklich die Elite zu treffen, Grüße also nach Dresden von hier aus ;) Beschrieben sein dürfte nun alles und ich muss insgesamt sagen, dass es endlich mal wieder schön war eine Tour ohne Säuchen hinter mich gebracht zu haben und dabei ein gutes Spiel, ein schickes Stadion und gute Freunde mitgenommen zu haben. Nach dem hier dann Schluss war ging es zurück zum Auto und wieder auf den Weg in die Heimat. Halb eins Früh hatte ich dann wieder halleschen Boden unter den Füßen und somit bleibt mir nur noch Grüße nach MüchelnSTADT zu entsenden!